Bramberg Kelten

Rekonstruktionsgemälde einer unbefestigten spätkeltischen Siedlung mit zahlreichen Bauten aus Holz um 100 v.Chr. Angefertigt auf Grund von Ausgrabungen auf dem Basel Novartis Campus.
Aehnlich könnte es auf dem Bramberg ausgesehen haben. Zu sehen sind auch Gruben. Etwa gleich grosse Tiefungen sind auf dem Forstareal zu finden.
Auf dieser Seite versuche ich in einem ersten Abschnitt, die zahlreichen menschengemachten Veränderungen der Bramberg, Nessleren und Brüggelbach Landschaft darzustellen, wie sie von den Ackerbauer Vorfahren geschaffen und hinterlassen worden sind. Im zweiten Abschnitt schildere ich die besondere Geschichte der Brambergallmend.

Wer zwischen Bramberg und dem Willaringgraben der Forstgrenze folgt, der findet steile Waldränder die ziemlich gerade verlaufen und ohne ersichtlichen Grund 1-2m steil abfallen, während oberhalb der Wald und unterhalb der Acker flach verläuft. Als ich die Texte des Emanuel Lüthi von Neuenegg gelesen hatte, überzeugte mich zunächst seine Argumentationen, dass alemannische Wehrschanzen die Ursache sein könnten. Die grossen Wälle, von denen einer im Herrenholz quer durch den Wald verläuft, gleichen frappant denjenigen des keltischen Oppidum auf dem Mont Vully. Für eine Festung oder Aenliches  fehlen aber rundlaufende zusammenhängenden Strukturen, die eine solche Idee stützen könnten. Zusätzlich sind noch zahlreiche kleinere, ebenfalls im Wald, den Höhenlinien folgende unnatürlich Hangkanten und Strukturen auszumachen die mit grosser Sicherheit einem früherem Ackerbau geschuldet sind. Wer diese Pflüger gewesen sein sollen, lässt sich allein damit nicht erklären. Naheliegend ist aber ziemlich sicher, dass es die Kelten waren, die im nahen Forst ihre Gräber hinterlassen haben. Es gibt Indizien, die ich weiter unten erläutere, dass diese Leute ganz in der Nähe, auf dem Hügelzug des Bramberg, wo das Laupen Schlachtdenkmal steht, ihre Siedlungen gehabt haben könnten.


Abgelagert - Kolluvien als Anzeiger für Ackerbau
Kolluvien sind Böden, die sich aus umgelagertem Bodenmaterial aufbauen. Solche Materialverlagerungen ereignen sich an Hängen, wenn die schützende Vegetationsdecke des Bodens durch menschliche Eingriffe, z.B. durch Rodungen und anschliessende ackerbauliche Nutzungen, verändert oder zerstört worden ist. Ohne das Wurzelwerk der Pflanzendecke werden durch Niederschläge, Nager und Pflug Bodenpartikel zum Unterhang verfrachtet. Entweder in eine Senke, wie auf der Grafik dargestellt oder wie vorliegend an den Hängen des Bramberg bei einer Hecke oder Lebhag, wird der Verlagerungsprozess gestoppt und Sediment angereichert. Es entsteht eine Terrasse.
Auf diese Weise lassen sich die zahlreichen Wälle erklären, die in den obgenannten Wäldern und darüber hinaus zu finden sind.

Grafik und Textauszüge aus "4000 Jahre Pfahlbauten von Thorbecke" und Richard Vogt.
Kolluvium an der Brüggelbachstrasse
Ein mächtiges Kolluvium hat sich oberhalb Brüggelbach am Fuss des Feldhubel gebildet (roter Punkt unteres Bild). Die Kumulierung über dem Urwald- oder Primärwaldboden misst gut 1.2m. Abgelegte Feldsteine markieren das ehemalige Bord eines Lebhages.
Auf dem unteren Lidar Bild sehen Sie den Verlauf des ehemaligen Lebhag von der Dälewid bei A, dem Feldacher entlang B, der Brüggelbachstrasse folgend C, bis er bei D am Graben des ehemalige Brüggelbach endet. Ein durchgehender Wall ist im Gelände erkennbar.

Die Terrasse im oberen Schleipfenwäldchen und der steile Abhang bis zur angrenzenden Wiese. In diesem Waldstück fand ich Steine mit Pflugspuren
Der mächtigee 200m lange und gut 2m hohe Wall im Herrenholz oberhalb der Schiessanlage Bramberg. Oberhalb und unterhalb ist das Gelände terrassiert, der Urwaldboden verläuft 1.5m unterhalb der Oberkante. Auf dem ganzen Hügel des Herrenholz: Steine mit Pflugspuren. Ausnahme: Parzelle 36 der Burgergemeinde Bern, die bewohnt gewesen sein könnte.
Lidar Bildausschnitt des Nesslerenholz: Parallele Wälle und Furchen, die von früherem Ackerbau stammen müssen.
Bild vom Südrand des Nesslerenholz. 
























Lesefunde als Zeugen früherer Pflugarbeit: Steine mit rostenden Pflugkratzern
Ackerbau mit Eisenwerkzeugen wie Pflug oder Egge, hinterlässt früher wie heute an Steinen rostige Kratzer.

Bild: rostige Kratzer und Eisenklumpen auf einem ehemaligen Feldstein. Verursacht mit eisenbeschlagenem Pflug. Die Klumpen deuten Eisen mit geringer Härte an.
Fundort: Nesslerenholz

Heutige harte Feldwerkzeuge hinterlassen zwar Rostspuren, aber keine Klumpen.




Diese verkratzten Steinzeugen fand ich in Baumstrünken, die vom Sturm Lothar aus der Erde gerissen (1999) und seither erodieren. Diese Kratzer überdauern ohne weiteres Jahrhunderte und sind ein Beweis, dass dort früher einmal gepflügt worden ist. Auch im heutigen Wald. Insofern die Steine 20-30cm tief unter der Oberfläche gelegen sind und dort überdauert haben, können sie als Beleg gelten.

Solche Steine sind im Nesslerenholz, im Brug und Herrenholz, auf dem Sürihubel, in der Süri, im Laupenholz, im oberen Schleipfenwäldchen und im Bärenchlauenwald. Alle waren in der Erde von Baumstrünken an die Oberfläche gefördert worden. Obschon Keltische Bauern den Brandfeldbau praktizierten und nicht die ganze Fläche ständig unter dem Pflug offen hatten, erstaunt die enorme Fläche der Felder. Es scheint, die Kelten hätten den Urwald oder Primärwald zwischen Bramberg und den Bärechlauenwäldern (Wald am Senseabhang) komplett abgeholzt gehabt. Mindestens auf allen gegen Süden und Westen den Sonnenexponierten geneigten Flächen. Naheliegend ist eine Lieferpflicht von Vieh und Getreide, die der römischen Besatzung geschuldet gewesen war und das grosse Flächenausmass darin begründet sein könnte.
Darstellung eines Eisenbeschlagenen Hakenpfluges mit einer einfachen hölzernen Riester zum wenden des abgeschnittenen Erdbalkens. Solche oder ähnliche Pflüge hatten die keltischen Ackerbauern eingesetzt.











Uebersichtkarte des Burgerlichen Forst und den Privaten Waldparzellen auf dem Bramberg
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Von den eingekringelten Arealen I-VI stammen die erwähnten Steine mit Pflugspuren. Kolluvale Strukturen deuten den Ackerbau aber auf der gesamten Fläche von Nessleren- Brug- und Herrenholz an. Ausnahme: Parzelle 36 und das Gebiet Möösli und Feistermoos.

Die mittelbronzezeitliche Grabhügelgruppe Stossesbode ist auf einer Moräne angelegt, deren westliches Ende vom Laupen Schlachtdenkmal beherrscht wird. Die blauen Punkte markieren kreisrunde Vertiefungen, die von einer Kelten Siedlung stammen und als Vorratsgruben oder Sodbrunnen genutzt worden sein könnten. Auf diesen Waldabschnitten fand ich keinerlei Anzeichen von Ackerbau, weder Steine noch Kolluvien.

Undeutbare Marchen
Undeutbar sind Zeichen von Acker-Feldrändern entlang von heutigen Waldparzellengrenzen im Nessleren- Brug- und Herrenholz. Die heutige Parzellierung und Vermarchung muss entlang von ehemaligen Ackerfeldern geschehen sein. Wie ist das möglich? Hatten die Keltenfelder auch schon Marchsteine? Kann eine dauernde Anwesenheit von Menschen oder auch Grundrechten auf dem Gebiet die Erklärung sein?
Indizien sprechen für Keltensiedlungen auf dem Stossesbode (Grabhügelgruppe) und Herrenholz (36 gehört der Burgergemeinde Bern). Warum sind diese Areale vom Privatwald abgetrennt? Könnten das der Besitz einer Kelten Elite gewesen sein, der, wie auch immer, später als Jagdgebiet der Burgunderkönige Rudolf  II und III reklamiert worden ist?

Mit dem Abgang der römischen Besatzer um 400 n.Chr. sollen auch die Kelten mitgegangen sein. Ohne Bewohner eine Wiederbewaldung gewachsen, bis schliesslich eine burgundische und oder alemannische Bevölkerung den Sekundärwald wieder abgeholzt habe.
Wahrscheinlicher ist, dass es Kelten gegeben hat, die das römische nicht geliebt hatten, geblieben sind und in gewohnter Weise aber reduziert weitergebauert und gelebt hatten. Bis sie in einer neu zugewanderten Bevölkerung aufgegangen sein könnten, die eine andere Wirtschafzsweise gebracht und im Zuge dessen, die mageren Moräneböden oben auf dem Bramberg dem Waldwachstum wieder preisgegeben hat.

Neue Funde an der Gartenstrasse Neuenegg belegen die Anwesenheit von Menschen im Früh-Mittelalter. Die Radiocarbondatierung eines bearbeiteten Eschenstückes ergab ein Alter von 1575 Jahren, also 445 n.Chr. und könnten Kelten Nachfahren gewesen sein. (Siehe "Terrassenbauer an der Sense")


Westsichtiger Forstplan ohne Privatwald von 1715 (Burgerbibliothek Bern) 
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Der Forst war in königlichem Besitz des Hauses Köniz, während dem die Stadt Bern das Nutzungsrecht besass. Nach dem Laupenkrieg ging der Forst an Bern über. 1852 schliesslich in einem Ausscheidungsverfahren an die Burgergemeinde Bern. Die politischen Grenzen der umliegenden Gemeinden Frauenkappelen, Mühleberg, Köniz und Neuenegg verlaufen quer durch den Wald. Der Forst mit seinen rund 1200ha bildet das grösste zusammenhängende Waldgebiet im schweizer Mittelland. Auf obigem Plan nicht dargestellt ist der angerainte umliegende kleinparzellierte Privatwald, der wohl nie Gegenstand von Besitzanspruch Berns war.
Der riesige Holzvorrat von heute, ist der Umstellung auf fossile Brennstoffe seit etwa 150 Jahren geschuldet. Vorher war Holz Mangelware mehr oder weniger. Zu Zeiten von Co2 neutraler Eisenverhüttung in Gerlafingen mit einem ausufernden Holzverbrauch, ist auch die Sense zum Flössen auch aus dem Schwarzenburgerland genutzt worden. Selbst der nahe Schleipfengraben bei Freiburghaus ist wortwörtlich ein Zeuge davon. Der steigende Energiehunger der einsetzenden Industrialisierung setzte dem schweizer Wald derart zu, dass er gänzlich zu verschwinden drohte. Bereits hatten verheerende Ueberschwemmungen (Emmental) ein Umdenken herbeigeführt, gerade in dem Moment, als die Kohle verfügbar geworden ist (Bahntransport).

Forst-Zehnden-Plan des Haus Köniz von 1735 (Staatsarchiv Bern)
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Oben rechts ist die Süri-Matzenriedstrasse verzeichnet. Von Mühleberg herkommend nach Westen als rote March des Forstzehnten der Süristrasse entlang bis zum Rossgraben. Dem Rossgrabenbächlein südwärts folgend bis zum Talbach und diesem nach unten bis zum Chalofenbächlein ganz links. Dann den Chalofengraben hinauf bis zur Dählenweid. Etwas weiter östlich trifft die March auf die alte Laupen Bern Strasse, folgt dieser bis zum Forsteingang bei Punkt 27 um dann südwärts gegen den Willeringgraben zu verschwinden.
Entlang der roten Linie sind Felder mit einer Zinspflicht bezeichnet, wie sie von Alters her dem Haus Köniz geschuldet war. Diese Plan impliziert aber auch die Idee einer früheren Forstgrenze, wie sie noch 1339 gewesen sein könnte. Demnach wäre bei der Schlacht bei Laupen der Angriff der Berner Koalition unmittelbar bei der Dählenweid erfolgt. Eine Hypothese, die von den Erzählungen gestützt wird, der Angriff sei aus dem Forst heraus den Abhang hinab erfolgt. Die genaue Position der Schlachthandlungen konnte bislang nicht eruiert werden, konzentriert sich aber um die Oertlichkeit des Käppeli bei der ehemaligen Bramberg Käserei (erinnert an eine Schlachtkapelle, die im Zuge der Reformation abgebrochen worden ist).
Weiters sind südlich der Laupen-Bern Strasse, von der Hohliebi bis zum Forsteingang, die Nessleren Bauern Zinspflichtig, nördlich steht Bramberg, also die Brambergallmend.
Die Brambergallmend 
Die Brambergallmend war ein siedelfreies Areal von 180 bis 200 Jucharten mit, von alters her, gesetzlichen Nutzungsrechten für die Hofbauern und Tauner von Wyden und der Nesseren. Eine vom einstigen Forst abgerungene Weidefläche, dessen Südgrenze entlang der alten Laupen-Bern Strasse, vom Berner Forstwald bis zum neuen Schulhaus und weiter bis zur Dählenweid verlief. Entgegen den Gewohnheiten und zum Aerger der Hofbauern, die ihre Winterweide geschmälert sahen, begannen die Tauner zunehmend kleine Aecker einzuschlagen und zu umzäunen. Dies führte zu Klagen, die die Berner Regierung 1752 zu Schlichten suchte. Demnach sollte die Allmend fortan wie Brandfeldbau gemeinschaftlich organisiert bewirtschaftet werden. Beginnend mit dem obersten und östlichsten ersten Drittel mit Abholzen und Ausdornen, sei das Feld als Acker für alle nach Anteilen urbar zu machen. Im 30 jährigen Turnus dann das zweite Drittel, während das erste nach dem Acker als Weideland genutzt werden sollte wie zuvor der Acker für alle. Nach sechzig Jahren als Acker und Weide, sollte dann das erste Drittel während 30 Jahren mit dem Bann belegt werden und ganz ungenutz bleiben.

Diese veraltete Regelung war offenbar für die Nutzer unbefriedigend und schon 1772 wieder aufgehoben  worden.  Auf Drängen der Tauner von Wyden und Nessleren, die dringenst aus der Abhängigkeit der Hofbauern auszubrechen suchten und aus Gründen der allgemeinen demografischen Entwicklung, gestattete die Berner Regierung die Besetzung und Besiedelung der unteren 2 Drittel der Brambergallmend. Als Auflage musste der abgeholzte östlichste Drittel wieder aufgeforstet werden. Dieser östlichste Drittel (20ha), ist nördlich der alten Bernstrasse, bei der Süristrasse beginnend (gelb, hellgrün und grün), bis zum Forst der Bernburger zu finden. Die gleichförmige kleine Parzellenstruktur deutet die gleichzeitige Zuteilung der Areale an die Besitzer an. Von der Süristrasse bis zum Schlachtdenkmal ist heute wieder Ackerland (gelb und hellgrün), der Rest (grün) ist heute das Brambergholz. Die hellgrüne Fläche war auf der Siegfriedkarte von 1879 noch bewaldet.

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Ein Deutungsversuch des Ortsnamen Bramberg: von Brandberg (Brandfeldbau) - oder von - Brambeeren (Brombeeren) beides könnte stimmen.

Die auf der Home Seite beschriebene Wasserfassung für Freiburghaus befindet sich zwischen Herrenholz und Nesslerenholz und diente auch zur Entwässerung der Riedere. 1502 war ein Nessleren Bauer hier Zinspflichtig: "stosst bisenhalb an Friburghusacher und windhalb an Laupen-Bern Strass". Hanns Friburghaus von Friburghaus mit seiner Schenke nutzte nicht nur das Wasser, er bearbeitete dort auch Land.