
Das Brot von Freiburghaus
Wie in Freiburghaus Brot gebacken, aufbewahrt und gegessen worden ist.
Die atlantischen Seefahrer hatten die Kartoffel schon im 16. Jh. nach Europa gebracht. Bis sie sich als Grundnahrungsmittel durchsetzen konnte, dauerte es 300 Jahre. Bis dahin haben die meisten Leute fast nur Brot gegessen und weil trockenes Getreide gut lagerfähig ist, das ganze Jahr. Dies war nach heutigem Wissen eindeutig eine Einseitige, inbezug auf Eiweiss und Vitamine eine mangel Ernährung. Dadurch konnten Kinder nicht auf eine Grösse heranwachsen, wie sie genetisch in der Lage gewesen wären. Etwa einen Kopf kleiner als Heute. Anschaulich kleiner, wie die Gruppe Soldaten, die in ihren Harnischen im alten Zeughaus in Solothurn ausgestellt sind. Mitglieder von Adels Familien waren dagegen deutlich grösser gewachsen als die übrige Bevölkerung, weil sie sich genügend Fleisch leisten konnten.
Im Titelbild des Samuel Bodmer von 1710 ist die damalige typische Dreifelderwirtschaft dargestellt, wie er sie in Freiburghaus gesehen hatte.
Nach Herbst Umbruch Wintergetreide, im zweiten Jahr Sommergetreide und im dritten Jahr Brache und Umbuch im Herbst mit neuer Ansaat. Heu für Zugtiere konnte auf kleinen separaten Einschlägen oder an steilen Matten angebaut werden. Diese Wirtschaftsweise unterlag dem Flurzwang für alle Bauern seit der Antike bis ins 19. Jh. bis die Kartoffel eine andere Fruchtfolge ermöglicht hatte.
Welche gewaltigen Anstrengungen und Einrichtungen es bedurfte, um genügend Brot zu backen, versuche ich auf dieser Seite darzustellen.
Meistens für etliche Kinder, Eltern, Grosseltern. Dazu noch für einen ledigen Onkel und eine Tante. Meistens auch noch 2-3 Hilfkräfte. Die ganze Belegschaft eines Bauernhofs.

Die Getreide Lagerung
Bis zur Übernahmepflicht des Bundes von 1917, lagerten die Bauern das Getreide im Speicher. Zentrale Lager gab es auf dem Land noch nicht. Im abgebildetem Speicher hatte es dafür mehrere Getreidekästen mit einem gesamten Volumen für 15 Tonnen. Für Futtergetreide und Brotgetreide. Auch noch einen separaten Raum für den Haushalt, um Dörrfrüchte, Nüsse oder Fleischwaren einzulagern. Alles gut gesichert gegen Nager und abschliessbar.
Auch als Remise für allerlei Hand Werkzeuge und Hilfsmittel, wie Zaumzeug, Karst, Rechen, Gabeln oder Garbenbänder usw.
Es versteht sich von selbst, dass jeder Bauernhof diese lagerungs Möglichkeit haben musste.
Die Müllerei
Bis in die Neuzeit war die Wassermühle neben der Kirche Neuenegg in Betrieb. Im Mittelalter noch mit Mühlenzwang belegt, war sie strategisch mit der Herrschaft eng verbunden, die damit Einnahmen generierte.
Die Bauern brachten das Getreide für den Eigenbedarf und für den Verkauf in die Mühle. Der Mahllohn und die Verkaufspreise waren von der Obrigkeit festgelegt gewesen.
Für die neue Saat musste der Bauer auch Getreide zurückbehalten. Dafür gab es spezielle Siebe, um grosse unbeschädigte Samen zu gewinnen. Sobald Chemie für die Beize, z.B. gegen Drahtwurmbefall verfügbar war, ist sie auch unbedenklich eingesetzt worden. In den 50er Jahren des letzten Jh. Quecksilber!


Teig herstellen
Am Vortag des Backtages hat die Bäuerin in der Küche das nötige Mehl in die Backmulde gegeben und seitlich in der Mulde den Vorteig oder Hebel angesezt, der über Nacht geführt worden ist.
Am nächsten Morgen hat sie dann den Hebel mit dem Hauptteig vermischt und gehen lassen. Diese traditionelle alte Vorgehensweise war anspruchsvoll in Planung und Ausführung, stand für knusperiges und lange haltbares Brot.
Das Backen
In Freiburghaus hatte jeder Hof einen eigenen grossen Stein Backofen. Wenn nicht im Ofenhaus, dann im Stöckli eingebaut gewesen. Eigentlich erstaunlich, aber wenn man bedenkt, wie wichtig das Backen war, dann wollte man offensichtlich die alleinige souveräne Kontrolle über das Ofenhaus, den Ofen, die Backstube und das Wann und Wie haben. Gute Nachbarn hin oder her.
Angefangen mit dem richtigen und ausreichenden Brennmaterial, das über eine immer gleichbleibende Qualität verfügen sollte. Das wussten dijenigen, die Winters die nötigen Reiswellen im Wald gemacht haben. Meistens die Grossväter.
Beim Einheizen war auch Können und Erfahrung gefragt. Nicht zu Viel und nicht zu Wenig. Immer wurde Brot für 2-3 Wochen gebacken. Im Ofen hatte es Platz für 10-20 Brote à 2Kg. Meistens war nach dem Brotbacken noch genug Hitze für den geliebten Früchtekuchen. Damit noch nicht genug, konnten nachher auch noch Dörrfrüchte wie Bohnen, Zwetschgen und Äpfel gemacht werden. Alles in Allem 2-3 Arbeitstage.

Das Brotlager im Keller
Im abschliessbaren Bauernhaus Keller hatte es dafür mäusesichere Tablare. Gebacken wurde auch mit einem gewissen Überhang, so, dass nie ofenfrisches Brot auf den Tisch kam. Brot sollte den Hunger stillen und nicht das Gelüste. Aus heutiger Sicht erscheint das Hart. War aber Ökonomisch wichtig.
Ein solches anstrengendes Backen abarbeiten, bedeutete nur einen kleinen Teil der Arbeit der Bäuerin und ihren Hilfskräften. Nebst Kinderbetreuung, Kochen, Waschen, Reinigen und Mitarbeit auf den Feldern.